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Bin ich emotional stabil? 15 Dinge, die emotional stabile Menschen nicht tun.

Emotionale Stabilität ist ein Faktor, der gerade in Krisenzeiten wichtig ist. Durch emotionale Stabilität gelingt es uns leichter, mit Situationen von Verlust und Trauer umzugehen. Das heißt nicht, dass es nicht genauso weh tut, sondern dass wir fähig sind, besser auf der Emotionswelle zu surfen anstatt uns von ihr umreißen zu lassen. Doch was heißt das genau, emotionale Stabilität? Woran erkenne ich, dass ich emotional stabil bin? Ich habe das mal umgedreht und mir angeschaut, was emotional stabile Menschen eher NICHT tun. Ich möchte dir helfen, deine emotionale Stabilität zu reflektieren. Damit kannst du Ansätze finden, um deine Surfskills auszubauen!

Was bedeutet es, emotional stabil zu sein?

Laut Wikipedia ist emotionale Stabilität „die ausgeprägte Fähigkeit zur Kontrolle der eigenen Emotionen“. Es hat also etwas mit Selbstkontrolle und -regulation zu tun. Es bedeutet aber NICHT, z.B. Ärger runter zu schlucken und nichts zu sagen (das wäre dann überreguliert), sondern fähig zu sein, sich erstmal in einen emotionalen Zustand zu versetzen, in dem man wieder klar denken kann.

Emotional eher stabil zu sein oder nicht, ist zum Teil angeboren, zum Teil entstanden durch die Erfahrungen, die wir insbesondere als Kind machen. Es gibt Kinder, für die ist es von Geburt an schwerer, Reize zu verarbeiten und sich zu beruhigen. Und es gibt Babies, denen ist es quasi schon in die Wiege gelegt, in dieser Beziehung „einfacher“ zu sein.

Im Verlauf der emotionalen Entwicklung kommen dann noch die Beziehungserfahrungen dazu. Die Fähigkeit, mit Emotionen umzugehen, beobachten wir bei unseren Eltern: Was macht man bei Stress? Weint man, wenn man traurig ist? Wie genau bringt man Ärger zum Ausdruck? Gerät man in Panik in unsicheren Situationen?

Und dann erfährt man noch wie die Eltern mit den eigenen Emotionen umgehen: Werde ich bestraft bei Wut? Halten es meine Eltern aus, wenn ich auch mal traurig bin und es gerade keine Lösung gibt? Bekomme ich Trost? Wird meinen Ängsten empathisch begegnet? Werde ich für bestimmte Gefühle abgewertet? Überfordert ein Gefühl meine Eltern? usw.

All das und noch viel mehr trägt dazu bei, wie emotional stabil wir durch unser Leben maschieren. Der Persönlichkeitspsychologe Eysenck geht davon aus, dass emotionale Labilität (Neurotizismus nennt er es) als Persönlichkeitsmerkmal ziemlich unverändert bleibt. Andere Studien zeigen, dass man emotionale Stabilität durchaus vergrößern kann und sie auch tendenziell im Alter zunimmt. Vielleicht ist es auch der Umgang mit emotional instabilen Tendenzen, der sich verbessern kann über das Leben hinweg.

Wie erkenne ich emotional stabile Menschen? Oder auch: Was emotional stabile Menschen NICHT tun.

  1. Sie identifizieren sich nicht mit ihren Gedanken und Gefühlen zu jeder Zeit.
    Gedanken sind nicht gleich Realität. Du bist nicht deine Gedanken und du bist nicht deine Gefühle. Du hast beides. Allein das schafft Distanz.
  2. Sie gehen nicht davon aus, dass Gefühle negativ sind und immer schlimmer werden.
    Emotional stabile Menschen wissen um die Vergänglichkeit von Gefühlen. „Jetzt geht es mir schlecht, in ein paar Stunden/morgen etc. wird das Gefühl schon wieder viel leichter sein“. Alle Gefühle sind deshalb positiv, weil sie auf ein Bedürfnis aufmerksam machen.
  3. Sie denken nicht „dieses Gefühl halte ich nicht aus“.
    Sie wissen um ihre eigene Belastbarkeit und können sich selbst gut zureden, in dem sie sich an ihre Stärken und ihren Umgang mit ähnlichen Situationen erinnern.
  4. Sie reden nicht ständig negativ mit sich selbst.
    Sie führen möglichst positive Selbstgespräche und kümmern sich intuitiv um innere Kindanteile (lies dazu auch diesen Artikel)
  5. Sie reagieren nicht impulsiv auf jedes Gefühl.
    Sie warten bei intensiven Gefühlen erstmal ab, wenden sich sich selbst zu und treffen dann eine Entscheidung (möchte ich reagieren oder nicht? Wenn ja, wie genau).
  6. Sie behalten nicht alle Gefühle für sich.
    Emotional stabile Menschen teilen sich den passenden Menschen mit. Sie holen sich Unterstützung ein.
  7. Sie sagen nicht auschließlich „es geht mir gut oder schlecht“.
    Sie kennen verschiedene Gefühlsqualitäten und können diese benennen: „ich bin ärgerlich, stolz, unzufrieden, enttäuscht, verletzt, zuversichtlich,…“. Sie haben also ein Vokabelheft voll von Wörtern für verschiedene Gefühle.
  8. Sie übergeben nicht anderen die Verantwortung für ihre Gefühle und Bedürfnisse.
    Das heißt sie erwarten nicht, dass der andere hellsehen kann. Sie versuchen zu äußern, was sie brauchen.
  9. Sie werden nicht aggressiv oder abwehrend („ne, ist nichts“).
    Sie treten möglichst ruhig, entschlossen und klar für eigene Bedürfnisse ein.
  10. Sie vernachlässigen sich selbst nicht.
    Sie wissen was ihnen gut tut und setzen das insbesondere ein, wenn sie in einer negativen Gefühlslage stecken.
  11. Sie betäuben intensive Gefühle nicht.
    Sie wenden also nicht als Dauerlösung Alkohol, Drogen, shoppen, Süßigkeiten usw. an, um mit einem Gefühl „umzugehen“. Sie kennen konstruktive Strategien, erlauben sich auch positive Ablenkung. Das heißt: sie lassen intensive Gefühle zu, aber fokussieren auch nicht darauf. Wenn du mehr zu konkreten funktionalen Strategien wissen willst, lies in diesem Artikel weiter.
  12. Sie müssen ihre Macht nicht beweisen.
    Sie geben nicht vor, der oder die Beste zu sein, sondern sind in der Regel friedlich und kommunizieren auf Augenhöhe.
  13. Sie malen sich nicht ständig Worst-Case Szenarien aus.
    Emotional stabile Menschen vertrauen darauf, dass sie sich um sich selbst kümmern können bzw. sich eine Lösung findet, wenn etwas unerwartetes passiert.
  14. Sie meiden Schmerz nicht, auch wenn sie Angst davor haben.
    Sie wissen intuitiv, dass es schlimmer ist, den Schmerz zu meiden als ihn zu spüren.
  15. Sie gehen nicht davon aus, dass das Leben perfekt sein muss, um glücklich zu sein.
    Sie wissen, dass schmerzhafte Ereignisse im Leben dazu gehören und können ihren Fokus immer wieder auf das Positive richten.

Wenn du jetzt den Eindruck bekommen hast „Oh Gott, dann bin ich ja total instabil“, dann möchte ich dich entlasten: schon allein die Reflexion dessen ist ein super Weg und du bist damit echt nicht allein. Auch ich bin da noch nicht „durch“ und die Frage ist, ob ich es jemals sein werde. Emotionale Stabilität ist eine Dimension, eine Skala, auf der wir uns irgendwo befinden. Kein schwarz oder weiß. Kein „in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt“. Mal mehr, mal weniger.

Aaaaaaber emotionale Stabilität oder eben der Umgang mit eigenen angeborenen Reaktionsweisen lässt sich üben und ausbauen. Psychotherapie oder psychologische Beratung kann ein Weg sein, dich dabei zu unterstützen. Ich bin gerne für dich da!

Melde dich bei mir, lerne einen neuen Umgang mit deinen Gefühlen und fühle dich dadurch sicherer in dir selbst!

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Deine Sabine

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Katharina

    Vielen Dank für diesen spannenden Artikel über emotionale Stabilität! Ich möchte gerne einen Gedanken hinzufügen, der für mich in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist: der Unterschied zwischen rationalen und irrationalen Emotionen.

    Emotionale Instabilität, wie Sie sie beschreiben, ist für mich oft eng mit irrationalen Emotionen verbunden. Diese entstehen häufig, wenn Menschen traumatische Erfahrungen gemacht haben und auf scheinbar normale Reize überreagieren, weil diese Trigger alte Wunden aktivieren. Ihre emotionale Reaktion passt dann nicht zur aktuellen Situation, sondern spiegelt ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit wider.

    Im Gegensatz dazu sehe ich rationale Emotionen als wichtige und schützende Instanz. Eine „rationale Wut“ kann uns z. B. helfen, unsere Grenzen zu verteidigen, während eine „irrationale Wut“ uns zu impulsiven Handlungen verleitet, die wir später bereuen. Ähnlich verhält es sich mit Angst: Eine rationale Angst bewahrt uns vor realen Gefahren, während eine irrationale Angst uns oft lähmt und einschränkt.

    Ich denke, emotionale Stabilität bedeutet nicht nur, unsere Emotionen zu regulieren, sondern auch zu lernen, zwischen rationalen und irrationalen Emotionen zu unterscheiden. Das kann uns helfen, angemessen zu reagieren und langfristig innerlich stabiler zu werden.

    1. S. Graml

      Vielen lieben Dank für den Kommentar und die super wichtige Ergänzung! Daraus kann man Punkt 16 machen 😉 Die Fähigkeit, unangemessene von angemessenen Emotionen zu unterscheiden, ist total relevant. Ich habe dazu auch einen Artikel geschrieben wie man sich bei „unangemessenen“ emotionalen Reaktionen beruhigen kannn (außerhalb eines Traumas): https://sabine-graml.com/sich-selbst-beruhigen-wenn-alte-gefuhle-hoch-kommen/
      Manchmal sind Emotionen auch angemessen, aber in der Stärke zu intensiv. Dann geht es erstmal darum, die Anspannung zu reduzieren, um wieder handlungsfähig zu sein.
      Liebe Grüße!

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